Teppichfertigung

Neben kleineren Ateliers und grösseren Teppichmanufakturen  werden Orientteppiche in kleinen Bauernhöfen und von Nomaden  hergestellt. Die Produktion in den Ateliers bzw. Teppichmanufakturen zeichnen sich durch eine morderne Arbeitsteilung ab. Die Normaden bzw. Bauern hingegen stellen die Teppiche im Alleingang her.

Herstellung handgeknüpfter Teppiche

Bild.1 Schema eines handgeknüpften Teppichs. a) Kette: Auf den parallel laufenden Fäden, werden die Knoten befestigt. b) Knoten, gebildet durch einen Wollfaden, der zwei Kettfäden verbindet, c) Schuss: die horizontalen Fäden, die über die gesamte Breite des Teppichs laufen und die die fertig geknüpften Reihen trennen, d) Flor: Der freie Teil des gesetzten Knotens, e) Borte: ein gefärbter Saum aus einem Wollfaden, der an beiden Seiten zur Verstärkung in der Längsrichtung des Teppichs angebracht wird, f) Kelim: Der gewebte Teil von Kette und Schuss am Teppich oben und unten, g) Fransen: Die sichtbare Fortsetzung der Kettfäden an beiden Abschlüssen des Teppichs. Quelle - "Orientteppich Kompass 2001".

Bei der Knüpfung eines Teppichs beobachtet man eine Verpflechtung von Kette und Schuss, wodurch ein Grundgewebe entsteht. Abgerundet wird die Knüpfung durch Knüpfknoten, welche in das Grundgewebe eingetragen werden. Letzteres kommt in verschiedenen Materialien vor: Baumwoll- (als mercerisiertes Garn oder vermischt mit Schappseide) oder Wollseiden, Kunstseiden (Acetatseide, Viscose) und Kunstfasergarnen (hauptsächlich Acryl).
Der vergleichsweise lockergesponnene Teppichflor besteht aus den gleichen Materialien.

Teppichherstellung Knüpfstühl

Bild 2. Schema eines vertikalen Knüpfstuhls: a) Trennstab, b) Kettfaden, c) Patrone, d) Schussfaden, e) halbvollendeter Teppich, f) Schussspule, g) Kelimgewebe, h) Fransen. Quelle - "Orientteppich Kompass 2001"

Knüpfstühle, jene Rahmen in denen die Orientteppiche geknüpft werden sind eigentlich vergleichbar mit traditionellen Handwebstühlen. Unterschieden wird zwischen horizontalen und vertikalen Knüpfstühlen. Horizontale Knüpfstühle liegen parallel zum Boden über den Endboden. Diese Art wird von den Normaden, die auf Zelten angewiesen sind bevorzugt. Sesshafte Teppichknüpfer (Bauern), sowie Ateliers und Teppichfabriken anderseits verwenden vertikale Knüpfstühle.

Besondere Sorgfalt wird beim "Aufbäumen", dem fadenweisen Wickeln der Kette um den Rahmen in Längsrichtung, an den Tag gelegt. Denn, um Beulen oder Wellen zu vermeiden sollte, während des gesamten Knüpfprozesses, die vorgespannte Fäden straffgespannt bleiben.

Aufbauend auf ein kurzes, gewobenes Stück in Leinenbindung arbeitet man sich je eine Querreihe vor bis zur Herstellung des Teppichflors. Dabei werden die Kettfäden paarweise geknüpft. Dieses Geschwindverfahren wird im Iran auch als "djuftibaff" bezeichnet.

Jeder Knoten wird gezielt eingetragen. Die Farbgestaltung, sowie das Eintragen eines Musters können somit individuell erfolgen. Gestaltungsvorlagen (Waghires), Musterpatronen und Talims aber auch das Gedächtnis werden bei der Teppichgestaltung angewendet.

Der Strich, jene Florneigung, die für Orientteppiche typisch sind entsteht bereits beim Knüpfen; und zwar, durch das Ziehen der Knüpfknoten nach unten. Die Bezeichnungen: unten, oben, links und rechts in bezug auf einen Teppich sind durch seinen erkennbaren Knüpfanfang vorgegeben. Letzterer wird durch den Strich sichtbar, denn der Strich eines Teppichs zeigt stets zum Knüpfanfang desselben.

Der Knüpfer trägt, zwecks der effizienten Zeit- und Materialausnutzung, je eine Farbe knotenweise auf die entsprechenden Stellen der Knüpfreihen ein, bis alle Farben verteilt worden sind. Dabei schneidet er von Zeit zur Zeit den Florfaden ab; und zwar entsprechend der anvisierten Florhöhe. Dies ist besonders wichtig bei Teppichen (z.B. einigen chinesischen Teppichen), die mit unterschiedlichen Florhöhen versehen sind, womit ein Relief entsteht. Ist eine Knotenreihe fertig, werden in die Querrichtung einen oder mehrere Schusse eingetragen. Um eine Verdichtung des Flors zu ermöglichen, wird das bearbeitete Teilstück danach kräftig nach unten mit einem Spezialwerkzeug, das entsprechend schwer, zudem klammartig ist geklopft und den Flor abschliessend getrimmt. Eine feine Knüpfung erfordert einen entsprechend niedriggeschorenen Flor. Andernfalls droht das Muster zu kippen bzw. unkenntlich zu werden.

Knüpfknoten

Zwei Knotarten sind am meisten verbreitet: der Persische und der Türkische Knüpfknoten.

1. Der Persische Knoten:

Knotenform:

Persischer Knoten, asymetrischer Knoten

Bild 3. Persischer = asymetrischer Knoten. Quelle - "Orientteppich Kompass 2001"

2. Der Türkische Knoten:

Knotenformen:

Türkischer Knoten, symmetrischer Knoten

Bild 4. Türkischer = symmetrischer Knoten. Quelle - "Orientteppich Kompass 2001"